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Der Name „Buckfast“ gehört wieder allen Buckfast-Imkern

Gutes Ende eines elendigen Rechtsstreits: Das Obergericht des Kantons Thurgau hat entschieden, dass die Marke „Buckfast“ nichtig und zu löschen ist. Sie darf also nicht länger von einem Imker für sich persönlich beansprucht werden.

Über Jahre hinweg hat ein ehemaliges Mitglied unseres Verbands andere Buckfast-Imker mit Klage-Androhungen und Entschädigungs-Forderungen eingedeckt, wenn sie „Buckfast-Königinnen“ zum Kauf angeboten haben. Tatsächlich hatte dieser Imker vor 20 Jahren die Marke „Buckfast“ in der Schweiz für sich privat beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum schützen lassen – eigentlich ein juristisches Unding, aber damals war es leider möglich. 2010 wurde der Markenschutz sogar nochmals um 10 Jahre verlängert.

Weil der bisherige Inhaber der Marke „Buckfast“ auf seine Ansprüche pochte und keinerlei Einsicht zeigte, blieb nur der Rechtsstreit vor dem Obergericht als einziger Weg offen, um die unhaltbare Situation zu bereinigen.

Klage vor Gericht

2019 stand die Verlängerung des Markenschutzes an. Bei dieser Gelegenheit hat der Vorstand unserer Vereinigung entschieden, gegen eine erneute Verlängerung des Markenschutzes eine Klage einzureichen. Wir engagierten dafür den spezialisierten Rechtsanwalt Dr. Willi Egloff aus Bern, der in seiner Begründung der Klage beim zuständigen Obergericht des Kantons Thurgau (dem Wohnsitz des Beklagten) überzeugend aufzeigen konnte, dass „Buckfast“ nicht einer Privatperson gehören, sondern von allen Bienenhaltern benutzt werden darf, welche die Biene von Bruder Adam züchten.

Das Obergericht folgte den Argumenten unseres Rechtsanwalts vollumfänglich und stellte fest, dass die Eintragung ins Markenregister von Anfang an nichtig war. Sämtliche Verfahrenskosten sowie unsere Anwaltskosten müssen durch den unterlegenen Imker getragen werden. Es hätte für ihn zwar noch die Möglichkeit bestanden, die Klage bis vor Bundesgericht weiterzuziehen. Angesichts der Aussichtslosigkeit hat er aber darauf verzichtet, das Urteil akzeptiert und die Kosten bezahlt.

Sieg für die Buckfast-Biene

Damit ist dieser unangenehme Rechtsstreit definitiv beendet und unser Verband hat auf ganzer Linie Recht erhalten. Freudig darf unser Präsident Karl Ruprecht heute sagen: „Der Name Buckfast gehört wieder uns allen. Nämlich allen Bienenhaltern, welche das Erbe von Bruder Adam weiterführen und die Buckfastbiene gemäss dem Zuchtreglement der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker züchten.“

Für weitere Informationen stehen Präsident Karl Ruprecht und Aktuar Simon Spengler gern zur Verfügung. Interessierte können das Urteil hier lesen und herunterladen: 

Download (PDF, 473KB)

 

Unser VSH-Zuchtprogramm

Varroa Sensitiv Hygiene (VSH) ist ein Verhaltensmerkmal bei Honigbienen. Es ist eine Form der Nestreinigung, die genetisch veranlagt ist. Bienen erkennen in der Brutanlage Bienenpuppen, die durch die Varroa-Milbe parasitiert werden, öffnen die Zellen und räumen die befallene, 12-18 Tage alte Brut aus. Das führt zum Tod der unreifen Varroa-Milben. Der Vermehrungszyklus der Milben wird gestört, was zu einer unterdrückten Milbenvermehrung führt. VSH-Bienenvölker zeigen daher einen ungewöhnlich niedrigen Anteil an reproduktionsfähigen Milben in der Brut. Sie können die Milbenpopulation tief halten, unter dem Schwellenwert, der eine Varroa-Behandlung nötig macht.

Zeitlebens strebte Bruder Adam danach, neue Eigenschaften in seinen Buckfaststamm einzukreuzen. Seit einigen Jahren gehen Buckfastzüchter der Gemeinschaft den Weg Bruder Adams weiter und kreuzen VSH-Eigenschaften in den bestehenden Zuchtstamm ein, um künftig den Bienen ein Leben ohne ständige Varroa-Behandlungen zu ermöglichen und gleichzeitig möglichst viel genetische Vielfalt zu erhalten. Diese Vorarbeit mit erbfestem Zuchtmaterial ist Grundlage für das Zuchtprogramm der Schweizer Buckfastimker.

Zuchtprogramm der Schweizer Buckfastimker

Seit dem Jahr 2017 betreiben Züchterinnen und Züchter des Buckfastimkerverbands Schweiz mit Support der Stiftung Arista Bee Research parallel zur «konventionellen» Zucht ein VSH-Zuchtprojekt. Durch Eindrohn-Besamung (SDI) erfolgt jährlich die Einkreuzung der oben beschriebenen VSH-Eigenschaften in unsere Linien. Durch Infektion der SDI-Zuchtvölker mit Milben und anschliessendem Auszählen der Brutwaben werden die Eigenschaften der VSH-Zuchtvölker überprüft und dokumentiert. Von den Völkern mit ausgeprägtem VSH-Verhalten werden im gleichen Jahr Königinnen nachgezogen, die der Weiterzucht dienen.

Seit Beginn des VSH-Zuchtprojekts im Buckfastimkerverband Schweiz ist der Anteil der VSH-Züchterinnen und -Züchter und der Zuchtgruppen stetig gewachsen. Durch verbandsinterne Schulung, Wissenstransfer unter den Beteiligten, Austausch mit VSH-Zuchtgruppen im Ausland und im Kontakt mit der Stiftung Arista Bee Research wurde das nötige Basiswissen erarbeitet. Es stellen sich erste Zuchterfolge ein. Wichtig dabei ist, die Zuchtergebnisse in den Gesamtkontext zu setzen und eine genetische Breite zu schaffen.

Handel mit VSH-Königinnen?

Gelegentlich werden VSH-Königinnen zum Kauf angeboten. Der Buckfastimkerverband Schweiz distanziert sich in aller Form von Angeboten ohne entsprechenden Nachweis (Pedigree, Milbenauszählung). VSH-Zuchtmaterial macht vorläufig nur Sinn innerhalb eines Züchterrings und unter Einsatz von künstlicher Besamung. Die Zuchtarbeit mit brauchbaren VSH-Königinnen ist aufwändig und zur Zeit weder konsolidiert noch abgeschlossen. Es liegen noch einige Jahre intensiver Zuchtarbeit vor uns. Vorläufig haben deshalb die erzielten züchterischen Ergebnisse ihren besonderen Wert für die strategische Weiterzucht des Zuchtmaterials innerhalb des Zuchtkonzepts.

VSH-Zucht ist spannend, verbindend, bienenrasseübergreifend und geht uns alle an. Interessierte, die sich an der Zucht beteiligen möchten, als Helferin und Helfer, unterstützend oder fördernd, sind herzlich willkommen. Wir bitten, mit dem Koordinator des VSH-Zuchtprogramms Kontakt aufzunehmen.

Der kleine Beutenkäfer im Süden von Italien – ein aktueller Bericht

Im Anhang ein sehr interessanter Artikel von Jürgen Binder aus der aktuell aktuellen Ausgabe von “Der Buckfastimker” (mit freundlicher Genehmigung der Redaktion). Der Beitrag zeigt auf wie die italienischen Imkerkollegen auf die Gefahr reagiert haben und bietet zahlreiche Informationen für eine sachliche Debatte zum Kleinen Beutenkäufer.

Buckfastimker_Artikel Kalabrien