Imkerpraxis

Hier finden Sie interessante Beiträge zu verschiedenen Themenbereichen der imkerlichen Praxis.


Erfahrung mit der Brutstoppmethode

Basil Sauter bewirtschaftet gemeinsam mit Frau Heidi und Sohn Orfeo im Tessiner Onsernonetal rund 150 Buckfastvölker. Ihre Stände stehen im Schnitt auf 1100 Metern üM und sind im ganzen Tal verteilt. Seit drei Jahren praktizieren die drei die Brutstoppmethode. Anlässlich der GV des Buckfastimkervereins am 2. Februar 2013 berichtete Basil von ihren Erfahrungen und stellte die in Italien entwickelte bienenschonende Behandlungsmethode vor (die Fotos stammen allerdings nicht von seinen Bienenständen).

Vorbemerkung: Basil hat im engen Tal nur wenige Nachbarimker. Zudem ist das Tal auf beiden Seiten durch hohe Bergketten nahezu abgeschlossen. Damit ist die Gefahr der Reinvasion von Varroen gering – ein riesiger Vorteil.

Brutstoppmethode in 5 Schritten:

  1. Präparieren einer Brutwabe mit dem Brutstopp-Käfig

    Entweder kann der ca 10 x 10 cm grosse Käfig in eine ausgebaute Brutwabe eingesetzt werden. Sie wird mittig plaziert, zwischen zwei Drähten. Basil baut den Käfig aber lieber gleich in die Mittelwand ein, um nicht unnötig Brut zu vernichten. Die Bienen bauen dann die Wabe rundherum aus und beachten den Kunststoffkäfig in der Mitte nicht. Diese Wabe wird im Frühsommer ans Brutnest gegeben. Es gibt mehrere Modelle des Käfigs (erhältlich vor allem in Italien). Gemeinsam ist allen, dass die Königin eingeschlossen ist, die Bienen aber ungestört durchs Gitter hindurch und so die Königin pflegen können.Variante I: Hier kann die Königin zwar legen, die Bienen können die Zellen aber nicht voll ausbauen. Die Brut wird deshalb immer wieder ausgeräumt und dann neu bestiftet.Variante II: Hier können die Bienen volle Zellen ausbauen. Basil verwendet dieses Modell.Es gibt auf dem Markt auch Metallkäfige, in die jeweils eine ganze Wabe mit Königin eingeschlossen wird (nur für Dadant Blatt). Diese hat Basil noch nicht eingesetzt.

  2. Absperren der Königin

    Anfang bis Mitte Juli werden alle Königinnen in den Brutstopp-Käfig eingesperrt. Dem Käfig wird kein Futter beigegeben, die Bienen sollen die Königin weiter pflegen. Reifer Honig wird abgeerntet und die vollen durch leere Honigwaben ersetzt. Das ist wichtig, damit die Bienen bei Tracht nicht die zunehmend leerer werdenden Brutwaben verhonigen. Das Volk braucht genug Platz.

  3. Varroa-Behandlung

    Nach rund 24 Tagen (wenn auch alle Drohnen geschlüpft sind) wird das Volk behandelt. Zuerst wird der Honig wird abgeerntet. Vom Rand aus wird eine nach der anderen Wabe mit Oxalsäure (30 g auf 1 L Wasser) kräftig abgesprüht, ca. 150 ml pro Volk. Kommt die Wabe mit dem Königinnenkäfig an die Reihe, wird diese zur Seite gestellt und mit der nächsten fortgefahren. Am Schluss wird die Königin aus dem Käfig befreit und auf eine schon behandelte Wabe gesetzt. Dann wird die letzte Wabe besprüht, anschliessend die Bienen in den Brutraum abgeklopft und der Käfig mit der darin enthaltenen Brut ausgekratzt und auch besprüht (ausgekratzte Brut in geschlossenes Gefäss geben und auch besprühen). Diese Wabe kommt dann an den Rand. Am Abend des gleichen Tages erfolgt eine dünnflüssige (!) Futtergabe, was die Bruttätigkeit anregt. Möglich wäre auch eine zeitsparende Behandlung durch Verdampfung von Oxalsäure oder Träufeln. Das Sprühverfahren hat den Vorteil, dass alle Waben durchgesehen und geprüft werden.

  4. Umweiselung
    Versuche, gleich mit der Behandlung auch die Königin auszutauschen, haben sich nur bedingt bewährt. Ein Teil der Königinnen wurden abgestochen. Basil belässt deshalb lieber die alte Königin noch im Volk und weiselt dann Ende September/Anfang Oktober um.
  5. Volksentwicklung

    Anfang/Mitte September hat das Volk wieder 6-8 volle Brutwaben und viele gesunde Winterbienen. Zunächst werden auch nochmals Drohnen gebrütet. Dank des Turbostarts nach dem Brutstopp hat das Volk innerhalb von 5-6 Wochen die Entwicklung aufgeholt. Bis zum Winter muss Basil seine Bienen nicht mehr behandeln. (Aufgepasst: In Regionen mit höherer Bienendichte und vielen Nachbarimkern ist die Gefahr von Reinvasion natürlich grösser. Eine Kontrollbehandlung ist deshalb dringend geboten).

Basil Sauter